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Therapie
Was kann ich gegen Arthrose tun?
Eine ganze Menge! In den letzten Jahren haben sich durch neue wissenschaftliche
Erkenntnisse und neue Medikamente einige sehr wirkungsvolle Therapiemöglichkeiten
ergeben:
Bausteine der Arthrosetherapie
Unser individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmtes Therapiekonzept
besteht aus mehreren Bausteinen, die miteinander kombiniert werden können.
So können wir Ihnen helfen, ein beschwerdefreieres Leben zu führen
und einem Fortschreiten der Krankheit vorzubeugen.
1. Allgemeine Maßnahmen
Gesunde Ernährung und Lebensweise
Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass eine gesunde Lebensweise den
Krankheitsverlauf günstig beeinflusst:
Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
kann helfen, einer Arthrose vorzubeugen oder bereits bestehende Beschwerden
zu lindern.
Aufs Rauchen sollte verzichtet werden, da es den Sauerstoffgehalt des
Blutes stark verringert, was sich nachteilig auf die Versorgung der Gelenkknorpel
auswirkt.
Auch Übergewicht trägt entscheidend zum Fortschreiten der Arthrose
bei, da die Knorpelzerstörung durch die ständige Überlastung
der Gelenke stark beschleunigt wird. Übergewichtige Patienten sollten
daher unbedingt ihr Körpergewicht reduzieren.
Viel Bewegung!
Angemessene sportliche Betätigung ist eine wichtige Voraussetzung
für eine erfolgreiche Arthrosetherapie, denn regelmäßige
Bewegung fördert eine optimale Ernährung des Gelenkknorpels,
wodurch das Fortschreiten der Arthrose verlangsamt werden kann.
Als Faustformel gilt: So viel Bewegung und so wenig Belastung wie möglich!
Deshalb sollten Betätigungen gewählt werden, die eine fließende,
belastungsarme Bewegung der Gelenke ermöglichen, wie Schwimmen oder
Radfahren mit leichten Gängen.
Auch Wandern und Walking sind geeignete Sportarten, solange Gefälle
hierbei gemieden werden. Eine wintersportliche Alternative ist der Skilanglauf
Krankengymnastik
Krankengymnastische Übungen können helfen, die Kraft, Beweglichkeit
und Koordination zu verbessern und die Furcht vor weiterer Bewegung abzubauen.
Hierbei ist es wichtig, dass die Übungen regelmäßig,
am besten täglich, durchgeführt werden.
Speziell auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmte Bewegungsübungen
kräftigen die bewegungsführenden Muskeln des geschädigten
Gelenks. Kräftige Muskeln wiederum sind besser in der Lage, die
Gelenkbewegung zu stabilisieren und Stöße abzufangen. Hierdurch
wird das Gelenk entlastet und eine weitere Schädigung des Gelenkknorpels
reduziert.
2. Medikamentöse Therapie
Gelenknährstoffe
Glucosaminsulfat
Glucosaminsulfat ist als Grundbaustoff von essentieller Bedeutung für
Knorpel, Sehnen, Bänder und Knochenstrukturen. Es trägt wesentlich
zur Wasserbindefähigkeit des Knorpelgewebes und damit zum Erhalt
seiner dämpfenden Wirkung bei. Glucosaminsulfat gehört zu den "Slow
Acting drugs in Osteoarthritis" (SADOA) und wird zur Schmerzlinderung
und zur Hemmung des Knorpelabbaus eingesetzt.
Chondroitinsulfat
Chondroitinsulfat ist neben Glucosaminsulfat der bekannteste Gelenknährstoff.
Wie Glucosamin regt Chondroitin die Bildung neuen Knorpelgewebes an,
stärkt die Kollagenfasern, hält knorpelzerstörende Enzyme
unter Kontrolle und somit den Gelenkknorpel gesund und leistungsfähig.
Schwefelspender
Neuere wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass sowohl nach Verletzungen
der Knorpelgrundsubstanz als auch bei Verschleißerkrankungen wie
der Arthrose ein relativer Mangel an Schwefel für die ständig
benötigten Reparaturleistungen der Knorpelgrundsubstanz und des
Bindegewebes besteht. Es ist deshalb medizinisch sinnvoll, ergänzend
zur normalen Ernährung Schwefelspender wie Methionin und Cystein
einzunehmen.
Die Schwefelspender können dann die Knorpelzellen zur Bildung von
neuem Knorpelgewebe stimulieren. Darüber hinaus hemmen sie die Entzündung
und wirken schmerzlindernd.
Mangan
Ebenfalls in wissenschaftlichen Studien bewiesen wurde der Zusammenhang,
dass sich durch die regelmäßige Einnahme von Mangan die Qualität
und die Reparaturleistung der Knorpelgrundsubstanz deutlich verbessert.
Mangan ist nämlich ein Spurenelement, das maßgeblich an der
Synthese von Chondroitinsulfat im Knorpel und Knochen beteiligt ist.
Ist Mangan im Körper nicht in ausreichender Menge vorhanden, wird
weniger Chondroitinsulfat von schlechterer Qualität gebildet.
Um sicherzustellen, dass stets genügend Chondroitinsulfat für
eine effektive Knorpelregeneration zur Verfügung steht, sollte deshalb
Mangan zusätzlich zugeführt werden.
Gelenkinjektionen
Über eine Injektion in das betroffene Gelenk können bestimmte Medikamente
direkt an den Ort des Geschehens gebracht werden:
Kortison (Akuttherapie)
Das ins Gelenk applizierte Kortison hemmt sehr effektiv das Entzündungsgeschehen
und führt somit rasch zu einer Linderung. Gegenüber der Einnahme
von Kortison in Tablettenform hat die Gelenkinjektion den Vorteil, dass
das Medikament lokal an der betroffenen Stelle wirken kann und der übrige
Körper geschont wird.
Hyaluronsäure
Hyaluronsäure dient im Gelenk als Ersatz für die geschädigte
Gelenkflüssigkeit. Die Hyaluronsäure verbessert die Gleitfähigkeit
im Gelenk und verhindert so eine weitere Abnutzung des Knorpels. Auf
diese Weise können eine verbesserte Beweglichkeit und eine Verminderung
der Schmerzen bewirkt werden.
Orthokin®-Therapie
Eine wesentliche Rolle bei der Zerstörung des Gelenkknorpels und
der entzündlichen Reaktion bei Arthrose spielt ein Botenstoff des
Immunsystems, das Interleukin-1 (IL-1). Arthrosepatienten bilden zu viel
IL-1, was sich in einem verstärkten Knorpelabbau äußert.
Bei der Orthokin®-Therapie wird der natürliche Gegenspieler
des IL-1, der IL-1-Rezeptor-antagonist (IL-1 Ra), eingesetzt. Das für
die Therapie benötigte IL-1 Ra wird aus eigenem, zu diesem Zweck
entnommenem Blut gewonnen und in das kranke Gelenk gespritzt.
Die Orthokin®-Behandlung führt so nicht nur zu einem raschen
Nachlassen der Schmerzen, sondern auch zu einer deutlichen Reduktion
der Entzündungstätigkeit.
Medikamentöse Schmerztherapie
Für viele Arthrosepatienten stellen die hartnäckigen Schmerzen
die schwerwiegendste Einschränkung im Zusammenhang mit ihrer Krankheit
dar. Die zumeist chronischen Schmerzen erschweren dem Betroffenen die
Bewältigung des Alltags häufig beträchtlich, und auch
an eine Teilnahme an therapeutischen Maßnahmen wie Bewegungs- oder
Krafttraining ist erst gar nicht zu denken.
Aus diesem Grunde ist eine gezielte Schmerztherapie von ganz besonderer
Bedeutung. Sie ermöglicht dem Patienten nicht nur ein beschwerdefreieres
Leben, sie schafft vor allen Dingen die Voraussetzung, umfassende Maßnahmen
gegen die Krankheit ergreifen zu können.
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
Präparate dieser Wirkstoffgruppe wirken entzündungshemmend
und damit schmerzlindernd. Allerdings sind sie nicht für jeden Patienten
geeignet, da sie bei dauerhafter Einnahme Magen-Darm-Beschwerden verursachen
können.
COX-2-Hemmer
COX-2-Hemmer sind eine Weiterentwicklung der NSAR. Sie hemmen gezielt
gelenkspezifische Entzündungsfaktoren und haben ebenfalls eine entzündungshemmende
und schmerzstillende Wirkung.
COX-2-Hemmer sind das Mittel der Wahl für Patienten, die mit NSAR
wegen auftretender oder zu befürchtender Magenunverträglichkeiten
nicht zurecht kommen (s.o.), andererseits sind sie aber für Patienten
mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur eingeschränkt geeignet.
Opioide
Bei besonders hartnäckigen und starken chronischen Schmerzen kommen
Opioide zur Anwendung. Hierbei handelt es sich um einen hochwirksamen
Arzneistoff mit morphinartiger Wirkung. Eingesetzt werden Opioide als
- Tabletten: Die Präparate der neuesten Generation sind arm an
den gefürchteten Nebenwirkungen (Verstopfung usw.) und allgemein
gut verträglich.
- Depotpflaster: Das Opioid-Pflaster wird auf die Haut aufgeklebt und
gibt seinen Wirkstoff über drei Tage kontinuierlich ab. Der Wirkstoff
gelangt über die Haut in die Blutbahn und so an seinen Wirkort
im zentralen Nervensystem.
3. Nichtmedikamentöse Therapie
Akupunktur
Diese Jahrtausende alte Heilmethode, die sich aus der Traditionellen
Chinesischen Medizin (TCM) ableitet, führt in vielen Fällen
zu einer deutlichen Schmerzlinderung und Verbesserung der Gelenkfunktion.
Magnetfeldtherapie/Pulsierende Signal-Therapie (PST)
Bei der Magnetfeldtherapie wird das zu behandelnde Gelenk einem elektromagnetischen
Feld von wechselnder Frequenz ausgesetzt. Durch die elektromagnetische
Energie verändern sich die Ionenflüsse im Körper, sodass
die Tätigkeit der knorpelbildenden Zellen gefördert wird. Dieser
Effekt führt zur Regeneration des geschädigten Knorpels. Sinnvoll
ergänzt werden kann die Magnetfeldtherapie durch die zusätzliche
Einnahme von Gelenknährstoffen, wodurch in vielen Fällen die
Wirksamkeit der Magnetfeldtherapie zusätzlich gesteigert werden
kann.
TENS
TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation) ist eine Reizstromtherapie
zur Behandlung chronischer Schmerzen, bei der sehr schwache elektrische
Ströme angewendet werden.
Dabei kommen kleine tragbare Geräte zum Einsatz, die niederfrequente
Ströme erzeugen. Die Übertragung der Reizströme erfolgt über
selbstklebende Elektroden, die auf der Haut über dem schmerzhaften
Bereich angebracht werden.
Das Gerät dient der Selbsttherapie zuhause, sodass die Therapie
bei Bedarf jederzeit selbst angewendet werden kann.
Orthopädische Hilfsmittel
Um bei Bewegung die Gelenke mechanisch zu entlasten, können bei
Bedarf orthopädische Hilfen wie Bandagen, Orthesen, Einlagen oder
Schuhzurichtungen eingesetzt werden:
Eine Bandage kann bei Schwellungszuständen durch eine Verminderung
des flüssigkeitsbedingten Drucks im Gelenk wirksam Schmerzen bekämpfen.
Bei einer Instabilität ("Wackelknie") kann eine Orthese
oder eine bewegliche Schiene wesentlich zu einer verbesserten Gangsicherheit
beitragen. Über Einlagen bzw. Erhöhungen im Bereich der Laufsohle
kann der Druck im Knie von der kranken auf die noch belastbare Zone umgeleitet
werden.
4. Operative Therapien
Arthroskopie (minimal-invasive Chirurgie)
Eine Arthroskopie ist eine "Schlüsselloch-Operation",
die mit Hilfe eines speziellen Endoskops durchgeführt wird. Da hier
nur mittels mehrerer kleiner Schnitte an dem betroffenen Gelenk operiert
wird, belastet dieses Verfahren den Organismus weniger als eine offene
OP.
Die Arthroskopie erlaubt neben einem direkten Blick in das betroffenene
Gelenk eine Reihe von chirurgischen Maßnahmen, wie die Entfernung
abgerissener Meniskusanteile oder freier Knorpelstückchen ("Gelenkmäuse").
Spezielle Verfahren wie die Microfracture-Technik und die autologe Knorpeltransplantation
ermöglichen bei kleineren und mittleren Knorpeldefekten bereits
eine erfolgreiche Behandlung.
Korrekturosteotomie
Zur Vorbeugung oder zur Verhinderung des Fortschreitens einer Arthrose
kann bei einer angeborenen Fehlstellung des Knochens eine Korrekturosteotomie
durchgeführt werden. Hierbei wird der Knochen chirurgisch durchtrennt
und in einer achskorrigierten Stellung wieder zusammengefügt, was
zu einer Entlastung verschlissener Gelenkteile führen soll. Dieses
Operationsverfahren hilft somit, einen übermäßigen Gelenkverschleiß zu
vermeiden und das natürliche Gelenk auf Jahre hin zu erhalten.
Endoprothetischer Gelenkersatz
Ist die Arthrose bereits sehr weit fortgeschritten, bleibt häufig
nur der Ersatz des verschlissenen Gelenks durch ein Kunstgelenk ("Endoprothese")
aus hochwertigen Materialien wie Metall, Keramik oder Kunststoff. Derartige
Eingriffe sind im Bereich des Hüft- und Kniegelenks am häufigsten.
In Abhängigkeit von der Diagnose wird ein Oberflächenersatz,
ein Teilgelenksersatz oder eine Totalendoprothese gewählt. Am Knie
kommt in Fällen einer einseitigen Arthrose beispielsweise eine sogenannte
Schlittenprothese in Frage.
Ein Kunstgelenk kann zwanzig Jahre oder länger funktionsfähig
bleiben, bis es dann eventuell wieder ausgetauscht werden muss.
Arthrodese (Gelenkversteifung)
Bei schmerzhaften Arthrosen im Bereich von Fuß-, Hand- und Ellenbogengelenk
sowie an der Wirbelsäule kann die operative Gelenkversteifung durchgeführt
werden.
Dieses chirurgische Verfahren kann zur lokalen Schmerzfreiheit und zu einer
dauerhaften hohen Belastungsstabilität führen, allerdings zieht
ein solcher Eingriff eine Funktionseinbuße nach sich, indem die Beweglichkeit
des Gelenks im Anschluss nicht mehr gegeben ist. |