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Risikofaktoren
Weshalb erkrankt der eine und der andere nicht? Bestimmte Gegebenheiten
beeinflussen die Ausprägung der Osteoporose:
Alter und Geschlecht
Schätzungsweise jede dritte Frau und jeder sechste bis siebte
Mann über fünfzig leiden an Osteoporose.
Während der Kindheit und Jugend bis ins junge Erwachsenenalter
wird das Knochengerüst des Körpers stetig aufgebaut. Bis
etwa zum 30. Lebensjahr gewinnt der Knochen an Masse, im 35. Lebensjahr
ist dann das Maximum erreicht – danach überwiegt der Knochenabbau.
Frauen tragen allgemein ein höheres Risiko, an Osteoporose zu
erkranken. Das Geschlechtshormon Östrogen, das den Zyklus der
Frau regelt, übernimmt nämlich gewissermaßen eine Schutzfunktion
für den Knochen. Wenn der Körper in den Wechseljahren die Östrogenproduktion
drosselt, entfällt dieser Schutzmechanismus mit der Folge, dass
vermehrt Knochensubstanz abgebaut wird.
Auch Männer können infolge einer altersbedingten verminderten
Produktion von Sexualhormonen (Testosteron) eine Osteoporose entwickeln.
Meist geschieht dies jedoch erst im fortgeschrittenen Alter und im
Vergleich zur Frau eher selten. Dennoch handelt es sich bei der Osteoporose
nicht um eine reine "Frauenkrankheit", denn mit etwa 30 Prozent
der Patienten sind auch die Männer in einem nicht unerheblichen
Ausmaß betroffen.
Erbliche Veranlagung
Auch eine familiäre Veranlagung kann einen Einfluss auf das Auftreten
der Osteoporose haben. Gibt es in der Familie jemanden, der in der
Vergangenheit einen Unterarm-, Wirbelkörper- oder Oberschenkelhalsbruch
erleiden musste oder der einen auffälligen Rundrücken hat?
Gibt es vielleicht sogar Personen mit einer bekannten Osteoporose?
Verkürzter Zeitraum regelmäßiger Monatszyklen
Frauen, die über weniger als dreißig Jahre hinweg regelmäßige
Monatsblutungen hatten, sind aufgrund der über die Lebenszeit
betrachtet geringeren Östrogenproduktion einem erhöhten Risiko
ausgesetzt. Anzeichen hierfür sind eine späte erste Periode
in der Jugend oder besonders früh einsetzende Wechseljahre.
Körperbau
Menschen mit einem sehr zierlichen Körperbau erkranken häufiger.
Ihr Skelett besitzt bereits von vorneherein eine geringere Knochenmasse
und ist daher weniger gut belastbar.
Neben diesen gegebenen und nicht veränderbaren Einflussgrößen
gibt es auch eine Reihe von Faktoren, auf die Sie mit unserer Unterstützung
positiv einwirken können:
Kalziummangel
Kalzium ist ein wichtiges Spurenelement, das im Körper viele verschiedene
Aufgaben erfüllt, u.a. im Rahmen der Blutgerinnung, der Erregungsweiterleitung
am Nerven sowie bei der Muskelkontraktion. Der Knochen gilt als Kalziumspeicher
des Körpers, hier findet sich der weitaus größte Anteil
des Körperkalziums. In Form von Kalziumapatit ist es in die Substanz
des Knochens eingebaut und verleiht ihm seine Stabilität.
Steht dem Organismus nicht genügend Kalzium zur Verfügung,
um seine lebenswichtigen Funktionen aufrechtzuerhalten, greift er auf
den Knochenspeicher zurück. Bei andauerndem Kalziummangel, z.
B. durch Fehl- oder Mangelernährung, kann es so zu einem allmählichen
Abbau von Knochensubstanz kommen.
Vitamin-D-Mangel
Die Aufnahme von Nahrungskalzium im Darm wie auch sein Einbau in den
Knochen geschehen mit Hilfe von Vitamin D. Der Körper bezieht
das Vitamin größtenteils aus der Nahrung, in geringen Mengen
bildet er es aber auch selbst aus Cholesterin.
Damit das Vitamin D seine Wirkung entfalten kann, muss es über
mehrere chemische Umwandlungsschritte in der Haut, der Leber und der
Niere in seine stoffwechselaktive Form überführt werden.
Die Prozesse in der Haut vollziehen sich unter dem Einfluss von UV-Strahlung,
wie sie im Sonnenlicht enthalten ist.
Ist der Körper nicht mehr in der Lage, genügend Vitamin D
bereitzustellen, wie dies im Alter häufig der Fall ist, oder fehlt
es am nötigen Sonnenlicht, so entsteht ein Mangel an Vitamin D. Über
die Nahrung zugeführtes Kalzium wird nicht mehr in ausreichender
Menge aufgenommen. Man spricht von einer gestörten Kalzium-Resorption
im Darm. Um den Kalzium-Bedarf des Organismus zu decken, wird wiederum
Kalzium aus dem Knochenspeicher freigesetzt, mit der Folge, dass Knochenmasse
verloren geht.
Daneben wirkt sich ein niedriger Vitamin-D-Spiegel auch schwächend
auf Muskelfunktion und Reflexe aus. Es kommt häufiger zu Stürzen,
und das Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, steigt.
Bewegungsmangel
Bewegung ist wichtig für den Knochen, denn zum Erhalt seiner Substanz
durch ständigen Knochenumbau benötigt er Bewegungsimpulse.
Erhält er diese nicht in genügendem Maße, überwiegt
die Knochenresorption und die Knochendichte nimmt ab.
Mangelnde Bewegung führt außerdem zum Nachlassen der Kraft
und des Koordinationsvermögens, weshalb es wiederum viel leichter
zu gefährlichen Stürzen kommt.
Alkohol
Dauerhafter übermäßiger Alkoholgenuss führt zu
Schädigungen des Lebergewebes mit der Folge einer schwerwiegenden
Leberfunktionsstörung.
In der Leber werden aber in großem Umfang Stoffe gebildet, die
der Körper für einen funktionierenden Knochenstoffwechsel
dringend benötigt. Stehen diese Stoffe infolge der eingeschränkten
Leberfunktion nun nicht mehr ausreichend zur Verfügung, geht zusätzlich
Knochensubstanz verloren.
Rauchen
Durch das Rauchen kommt es zu einer Mangelversorgung des Knochengewebes
mit für den Knochenstoffwechsel wichtigen Substanzen.
Bei Rauchern verläuft der Knochenabbau deshalb stark beschleunigt
und vollzieht sich etwa doppelt so schnell wie bei Nichtrauchern. Neben
vielen anderen guten Gründen ein weiteres Argument dafür,
das Rauchen lieber aufzugeben.
Untergewicht
Auch ein sehr niedriges Körpergewicht infolge Diät oder Krankheit
sowie der ungewollte Verlust von mehr als 10 Prozent Körpergewichts
sind Anzeichen für ein erhöhtes Osteoporoserisiko.
Ein Body-Mass-Index (BMI) unter 20 gilt als kritisch, weil dann zuwenig
Körperfett vorhanden ist, um ausreichend Vitamin D speichern zu
können.
Eine Langzeitbehandlung mit Cortison (z. B. bei schwerem
Asthma, Rheuma und Immunerkrankungen) löst wie die Überproduktion
von körpereigenem Cortison (s. r.) einen verstärkten Knochenabbau
aus. Dies gilt insbesondere für die Darreichung als Tabletten
oder Spritzen, das Inhalieren von Cortison in geringer Dosierung hingegen
hat keine nachteiligen Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel.
Auch eine dauerhafte Epilepsietherapie mit Phenytoin wirkt
Osteoporose fördernd.
Einige gesundheitliche Störungen gelten ebenfalls
als Osteoporose fördernd und wirken sich ungünstig auf den
Krankheitsverlauf aus:
Verschiedene Erkrankungen verhindern die Aufnahme von Kalzium und Vitamin
D aus der Nahrung. Hierzu gehören:
- Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
- Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
- Malabsorptionssyndrom, zurückliegende Magenentfernung, Zöliakie
- Magersucht und Bulimie
- Milch- und Laktatunverträglichkeit
1. Eine Schilddrüsenüberfunktion führt
zu einer gesteigerten Produktion von Schilddrüsenhormonen, die
den allgemeinen Stoffwechsel und damit gleichzeitig aber auch den Knochenabbau
beschleunigen.
2. Bei einer Nebenschilddrüsenüberfunktion wird
verstärkt Parathormon gebildet, das die Tätigkeit der knochenzersetzenden
Zellen fördert.
3. Ein Östrogen- oder Testosteronmangel (z. B.
bei Funktionsstörung der Eierstöcke/ Hoden oder nach deren
operativer Entfernung) hat die gleichen Folgen wie das altersbedingte
Nachlassen der Hormonproduktion: Der schützende Einfluss der Hormone
auf den Knochen entfällt und es kommt zum Abbau.
4. Da das körpereigene Cortison ein Gegenspieler der Geschlechtshormone Östrogen
und Testosteron ist, führt auch eine übermäßige
Cortisonproduktion wie bei Morbus Cushing zum Knochenabbau.
5. Entzündliche Gelenkserkrankungen wie Rheuma,
Morbus Bechterew und Lupus erythematodes führen gleichfalls zu
Knochenschäden und fördern damit die Entstehung einer Osteoporose.
6. Schwere chronische Leberfunktionsstörungen haben
zur Folge, dass in der Leber kein Cholesterin mehr hergestellt werden
kann. Da Cholesterin der Ausgangsstoff sowohl für die körpereigene
Produktion von Vitamin D als auch für die Bildung von Östrogen
und Testosteron ist, kommt es so zu einem Mangel an diesen Substanzen
und somit zum Knochenabbau. Verstärkend kommt hinzu, dass der
erste Umwandlungsschritt des Vitamin D in der Leber auch nicht mehr
erfolgen kann, was den Mangelzustand noch zusätzlich verschlimmert.
7. Schwere chronische Nierenfunktionsstörungen und Diabetes
Typ I führen dazu, dass zu viel Kalzium ausgeschieden
wird, weshalb der Körper wiederum auf den Knochenspeicher zurückgreift,
um seine lebenswichtigen kalziumabhängigen Funktionen aufrechterhalten
zu können. Darüber hinaus kann der zweite chemische Umwandlungsschritt
des Vitamin D nicht mehr ablaufen, weshalb es zusätzlich zu einem
Mangel an der aktiven Form des Vitamins kommt.
8. Blutarmut bei Vitamin-B12-Mangel sowie eine zurückliegende Organtransplantation wirken
sich ebenfalls negativ auf den Verlauf der Osteoporose aus. |